Fahrrad Kettenschaltung einstellen (Shimano, SRAM)

Hier möchte ich einmal meine Beschreibung für die Einstellung von Kettenschaltungen machen. Diese gilt für Shimano- und SRAM-Schaltungen.

Zuerst einmal die Schrauben an den Komponenten:

Umwerfer:

  • Schaltzugschraube (seitlich)
  • H – Schraube (oben)
  • L – Schraube (oben)

Schaltwerk:

  • Schaltzugschraube (normalerweise hinten unten)
  • H – Schraube (oben)
  • L – Schraube (oben)
  • Schaltauge Abstand (seitlich hinten oben)

Trigger (Schalthebel):

  • Schraube zum minimalen Verstellen der Zugspannung

Funktionsweise der H und L Schraube:

Für mich war das Einstellen dieser Schrauben lange Zeit ein Buch mit sieben Siegeln. In welche Richtung muß ich nun Drehen um den Anschlag einzustellen. Inzwischen habe ich den Aufbau der beiden Komponenten gesehen und verstehe jetzt das Konzept dahinter.
In den Komponenten gibt es im Inneren zwei Anschläge, welche beim Schalten den maximalen Schwenkbereich definieren, in dem sich die Komponente bewegen kann.
Die verschiedenen Gänge werden durch die Änderung der Zugspannung (Abstufung) beim Schalten an den beiden Triggern definiert. Der Trigger gibt vor, wie viele Gänge man unten Schalten kann. Die Komponenten (Anzahl Blätter oder Ritzel) unten müssen natürlich zum Trigger passen. Dem Umwerfer beziehungsweise Schaltwerk ist es egal, wie viele Gänge das Rad hat.

Umwerfer einstellen:

Am linken Trigger sollte man zuerst einmal die Schraube zum Trigger bis zum Anschlag hineindrehen, danach den Trigger in eine mittlere Position bringen, indem man ihn 6 Umdrehungen herausdreht. Dadurch ist gewährleistet, das man die Zugspannung minimal in beide Richtungen (straffen und lockern) verändern kann.

Die Kette mit dem Schaltwerk (hinten) auf das größte Ritzel (kleinster Gang) springen.

Beim Umwerfer muß zuerst einmal überprüft werden, wie der Zug auf dem Schaltzug ist. Wenn der linke Hebel (Trigger) am Lenkrad auf dem kleinsten Gang ist, muß am Umwerfer der Zug entspannt und über dem kleinsten Blatt stehen (man kann den Zug durch leichtes Drücken bewegen). Ansonsten muß man die Schraube am Zug lösen. Den Umwerfer auf die Position bringen, dass das kleinste Blatt genutzt wird. Und dann die Schraube wieder festzieht. Den Zug in den dafür vorgesehen kleinen Schlitz legen und die Zugschraube fest anziehen (Artikel zum Drehmomentschlüssel).

Vorsicht wieder eine  Ausnahme. Mein Umwerfer muß auch schon beim kleinen Gang eine Zugspannung haben, damit ich die Kette mit dem Trigger auf das größte Ritzel bekomme. Am einfachsten geht das, wenn man den Umwerfer einfach mit der Hand ein wenig nach außen drückt und dann die Zugschraube festzieht.

Danach kann durch das Schalten am Trigger den Umwerfer über die verschiedenen Kettenblätter bewegen. Natürlich muß man dazu treten (oder simulieren), sonst kann die Kette natürlich nicht zwischen den Blättern springen. Keine Panik, wenn die Gänge noch rattern beziehungsweise die Kette nicht auf das größte Ritzel/Blatt springt oder sogar nach innen oder außen herunterfällt. Für diese Einstellung sind die H und L Schrauben.

Am Umwerfer (vorne) gibt es auf der Oberseite zwei Schrauben. Eine davon ist normalerweise mit H gekennzeichnet, die andere mit L. Dies bezieht sich immer auf den Gang. H ist der Anschlag für den hohen Gang – großes Kettenblatt. L ist der Anschlag für den kleinsten Gang – kleines Blatt. Mit diesen zwei Schrauben (oben) kann man die Anschläge einstellen.

  • H = Anschlag großes Blatt
  • L = Anschlag kleines Blatt

Auf meinem Umwerfer kann ich diese Buchstaben leider nicht sehen, dann ist normalerweise die innere Schraube für das kleine Blatt und die äußere Schraube für das große Blatt.

Wenn man die Schrauben eindreht (im Uhrzeigersinn), wird der Schwenkbereich verkleinert (siehe Anmerkung unten). Zwangsläufig wird der Schwenkbereich vergrößert, wenn man die Schraube herausdreht (gegen den Uhrzeigersinn).

Bedeutung:
  • L – Schraube herausdrehen, Schwenkbereich wird größer, der Umwerfer kann weiter zum Rahmen, wenn die Kette nicht vom größeren Blatt auf das kleinste Blatt springt.

  • H – Schraube hineindrehen, Schwenkbereich wird kleiner, der Umwerfer bewegt sich vom Rahmen weg, wenn die Kette beim herunterschalten auf das kleinste Blatt nach innen herunterfällt. 

Anmerkung: Man kann beim Eindrehen der Schrauben etwas mit der Hand nachhelfen, wenn es schwer zu drehen geht.

Wenn diese Einstellungen gemacht sind, kommt das Feintuning. Oben ist ja schon beschrieben, das der Trigger die Anzahl der Gänge definiert. Wenn die Kette beim Treten noch zwischen den Gängen rattert oder springt, kann man das durch den Trigger korrigieren. Der Trigger wurde ja schon in eine Variable Position gebracht.

  • Triggerschraube eindrehen, Zugspannung sinkt, Kettenblech bewegt sich zum Rahmen

  • Triggerschraube herausdrehen, Zugspannung steigt, Kettenblech bewegt sich vom Rahmen weg

Die Änderungen durch drehen der Triggerschraube sind minimal, haben aber trotzdem eine große Bedeutung.

Damit ist die Einstellung des Umwerfers zuerst einmal beendet. Später kommen wir noch einmal dazu.

Schaltwerk einstellen:

Die Schritte zum Einstellen des Schaltwerks ähneln dem Einstellen des Umwerfers, deshalb werde ich hier auch oft auf diese Beschreibungen verweisen. Es gibt aber einen wichtigen Unterschied. Im Falle des Schaltwerkes ist das kleinste Ritzel der große Gang und das größte Ritzel der kleinste Gang.

Im ersten Schritt wird die rechte Triggerschraube in eine variable Position gebracht.

Die Kette wird mit dem Umwerfer auf das größte Kettenblatt gebracht. Das Schaltwerk soll auch entspannt und deshalb auf den größten Gang (kleinstes Ritzel) geschaltet werden.

Jetzt prüft man, ob der Schaltzug entspannt (sich leicht durchdrücken) ist. Wenn das nicht der Fall sein sollte, die Schaltzugschraube lösen und entspannt wieder einlegen. Es ist darauf zu achten, dass der Zug in dem vorgesehen Schlitz am Schaltwerk liegt. Dann die Schaltzugschraube wieder festziehen (siehe richtiger Drehmoment).

Jetzt einfach einmal mit dem rechten Trigger über die verschiedenen Gänge springen. Es kann hier noch zu rasseln der verschiedenen Gänge kommen oder das der oberste Gang nicht funktioniert.

Wie beim Umwerfer muß man jetzt, wenn die Kette auf dem kleinsten Ritzel springt den Endanschlag des Schaltwerkes einstellen. Dafür bringt man zuerst an der vorderen Kurbel die Kette auf das größte Kettenblatt. Im diesem Fall ist das jetzt die H – Schraube, welche für den Schwenkbereich am kleinsten Ritzel verantwortlich ist. Das Schaltauge am Schaltwerk sollte direkt unter dem kleinsten Ritzel stehen. Hier kann es aber leichte Verschiebungen geben, zum Beispiel wenn das Schaltwerk durch einen Sturz etwas verbogen ist.

Drehen der H – Schraube:

  • Schraube eindrehen (Uhrzeigersinn) – Schwenkbereich wird kleiner, Schaltauge wandert in Richtung Rahmen
  • Schraube herausdrehen (gegen Uhrzeigersinn) – Schwenkbereich wird größer, Schaltauge wandert von dem Rahmen weg

Um den Schwenkbereich für das größte Ritzel (kleinsten Gang) einzustellen schaltet man vorne zuerst auf das kleinste Kettenblatt. Mit der L – Schraube (größtes Ritzel) kann man nun den inneren Schwenkbereich einstellen.

Drehen der L – Schraube: 

  • Schraube eindrehen (Uhrzeigersinn) – Schwenkbereich wird kleiner, Schaltauge wandert vom Rahmen weg nach außen
  • Schraube herausdrehen (gegen Uhrzeigersinn) – Schwenkbereich wird größer, Schaltauge wandert in die Richtung des Rahmens

Abstand des Schaltauges:

Mit der Schaltauge-Abstandsschraube kann man den Abstand des Schaltauges zum Ritzel einstellen. Dafür schaltet man vorne auf das kleine Kettenblatt. Auf dem hinteren Ritzel wechselt man mit Hilfe des Schaltwerks auf das größte Ritzel. Der Abstand sollte zwischen 5-10 mm liegen.

  • Eindrehen der Schraube – Schaltaugen Abstand zum Ritzel wird größer
  • Herausdrehen der Schraube – Schaltaugen Abstand zum Ritzel wird kleiner

Wenn der Augenabstand stimmt, kommt jetzt noch das Feintuning.

Feintuning:

Danach kommt, wie schon beschrieben, das Feintuning an der Triggerschraube um den Zug minimal lockern oder anziehen zu können. Eben so, das die Gänge sauber, ohne springen oder rasseln, laufen.

Schaltet man noch einmal alle Gänge, in alle möglichen Kombination des Umwerfers und des Schaltwerks in beide Richtungen durch. Hier kann es noch einmal notwendig sein, kleine Änderungen an den Trigger- und Anschlagschrauben zu machen.

Als letztes kommt dann noch die Probefahrt, den unter Last kann sich das Verhalten auch noch einmal ändern.

Fertig!!!

Bitte hinterlasst mir einen Kommentar, ob die Schritte bei euch funktionieren. Gerne auch ein Hinweis, an welcher Stelle die Beschreibung zu ungenau oder unverständlich ist.

Fahrrad Kettenschaltung einstellen (Shimano, SRAM)

Nick Horn ist für den Blog Nicks-Technik.de verantwortlich und interessiert sich für die Themen Lifestyle, Technik, Sport und Reisen. Motto: Der Weg ist das Ziel.

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